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Multiple Sklerose - eine Herausforderung
 

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Auf in die Anschlussheilbehandlung

Nach der Cortisontherapie durfte ich die Akutklinik verlassen. Eine Woche hatte ich in einem wirklich schönen Zimmer alleine zugebracht und irgendwie auch die Ruhe genossen, trotz der Nebenwirkungen. Einen dicken Roman ("Trapez" verschlang ich, nachdem ich ewig nicht mehr richtig Zeit fürs Lesen gehabt habe.

Die Anschlussheilbehandlung wurde genehmigt. Ich wollte mich mit der Erkrankung auseinandersetzen, mehr über sie erfahren und lernen, eine etwas gemächlichere Gangart in mein Leben einziehen zu lassen. Ich war überzeugt davon, mit der richtigen mentalen Einstellung mit etwas Glück nach diesem ersten Schub nie wieder etwas von der MS zu hören. Auch um einen Psychotherapeuten kümmerte ich mich gleich, weil es in meinem privaten Leben jede Menge Großbaustellen gab.

Zehn Tage später fuhr ich also in die MS-Fachklinik mit vielen guten Wünschen meiner Familie, meiner Freundinnen und meiner Verwandten. Alle sprachen von Erholung und Entspannung, die Seele mal baumeln lassen, sich Gutes tun usw. Das hörte sich alles gut an - der Haken war nur, dass ich viel, viel lieber arbeiten gegangen wäre. Und irgendwie war ich durch das Cortison noch ganz schön verstört.

In der Klinik wurde mir ein Bett im Zweibettzimmer zugewiesen. Die Zimmernachbarin war nicht da und so richtete ich mich mit meinen wenigen Sachen häuslich ein. Als die Türe hinter mir aufging, stand ich auf, um mich der Mitpatientin vorzustellen. Sie schaute mich an, als hätte sie eben in eine Zitrone gebissen. Ich ließ mich davon nicht weiter irritieren, doch als sie mir später im Flur mit Sack und Pack entgegen kam und eine Schwester mir erklärte, die Mitpatientin sei in ein Einzelzimmer gezogen, kam ich doch ins Nachdenken. Ob das an meiner Ausstrahlung lag? Eigentlich bin ich ein sehr umgänglicher und friedliebender Mensch, ehrlich .

Netterweise kam sie von selbst auf mich zu und erklärte, dass es wirklich nicht an mir läge, sondern dass sie einen Schub habe und einfach allein sein müsse. Das war meine erste Erfahrung mit MS und ich konnte sie später so gut verstehen. Zu meinem riesigen Glück hatte ich das Zimmer ab da sechs Wochen für mich. Wie oft sind in dem Zimmer die Tränen gerollt, wie oft habe ich tagsüber geschlafen oder mich ausgeruht und war froh, niemandem etwas erklären zu müssen. Die Nerven liegen blank, man hat so mit sich zu tun, vor allem, wenn man die Diagnose frisch erhalten hat.

Da ich donnerstags angereist war, lief vor dem Wochenende außer der Erstuntersuchung nicht viel. Als Therapieziele formulierte der Arzt:

  • Stärkung der linken Körperseite
  • Verbesserung der Gehstrecke und
  • Entspannung.

Ehrlich gesagt kam ich mir wahnsinnig gesund vor, als ich mittags in den Speisesaal kam: Es wimmelte nur so von Rollstühlen und Gehwagen, auch die Flure waren von Rollstühlen gesäumt. "Die MS muss man einem ja nicht ansehen," beruhigte ich mich und hoffte dennoch insgeheim, dass wenigstens die Krankengymnasten sehen würden, dass meine linke Seite schwächelte. Der Fuß blieb beim Treppensteigen manchmal an den Stufen hängen, ich hatte leichte Gleichgewichtsstörungen und immer wieder das Gefühl, als sei mir schwindelig. Außerdem klebten meine Füße  beim Gehen wie Betonklötze am Boden.

28.11.11 22:14

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