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Multiple Sklerose - eine Herausforderung
 

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Die Krankheit bewältigen - aber wie?

"Eine Krankheit erzählt uns, womit wir aufhören sollen. Wenn wir Krankheit unter diesem Blickwinkel betrachten, ist sie von großer Wichtigkeit. Sie erzählt uns, dass wir unsere Art zu arbeiten ändern müssen, mehr ausruhen sollen oder über das nachdenken müssen, was wir gerade tun ... Eine Krankheit zwingt uns, um Hilfe zu bitten, damit wir mehr Liebe bekommen," Dr. Carl Simonton.

Simonton ist vor allem durch seine Bücher für Krebspatienten und deren Angehörige bekannt geworden. Er hat die Visualisierungstherapie entwickelt, bei der sich die Krebspatienten den Ort der Tumorentstehung vorstellen und dort in Gedanken Abwehrzellen hinschicken. Das kann so gut gelingen, dass die Körperstellen während der Visualisierung ganz warm und durchblutet werden.

Ich habe mir überlegt, wie sich wohl die Blut-Hirn-Schranke visualisieren lässt. Denn die ist an vorderster Front Wurzel des Übels. Die Wände zwischen den Blutgefäßen und dem zentralen Nervensystem sind bei MS-Patienten nicht mehr richtig dicht, sodass sich die Abwehrzellen (T-Zellen) hindurchschlängeln und sich dann auf die Umwandung der Nervenfasern stürzen. Doch bei Blut-Hirnschranke sehe ich im Geist nur rot-weiß gestreifte Absperrungen.

In einem Vortrag in der Klinik erfahre ich, dass die Blut-Hirnschranke eines einzelnen Menschen, wenn man sie komplett flächig auslegen würde, ein ganzes Fußballfeld bedecken würde! Unvorstellbar ... und deshalb für die Mentalisierung irgendwie ungeeignet.

Aber mit den anderen Worten hilft Simonton auch weiter! Denn fast jeder MS-Patient kann sofort sagen, wo bei ihm die großen Belastungen liegen und was er oder sie die ganzen Jahre vernachlässigt hat. Und da liegt ein Schlüssel zur Krankheitsbewältigung. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen. Zunächst muss man mit dem Schock klarkommen, den die Diagnose auslöst. Das ist wie eine Traumatisierung. Man sitzt auf dem Boden der Tatsachen und hat keine Ahnung, wie das Leben weitergeht.

Zuallererst sind alle Sinne darauf eingestellt, dass sich die Symptome wieder zurückbilden, vor allem wenn es einschränkende Symptome sind. Dass alles wird wie vorher. In dieser Phase braucht man viel emotionale Unterstützung. Die hat mir in dieser großen spezialisierten Fachklinik hinten und vorne gefehlt! Die Ärzte fragten vor allem: "Und, haben Sie sich für ein Medikament entschieden?" Es mutete fast so an, als bekämen sie Provision für jeden Patienten, den sie vermitteln. Ein böser Verdacht, ich weiß. Aber unter den Umständen konnte ich mich nicht dafür entscheiden. Ich hatte so mit mir zu tun und mit der Neuorientierung, dass ich beschloss, erst zuhause darüber nachzudenken. Und das war für mich auch der richtige Weg. Erst der zweite niedergelassene Neurologe erklärte mir anhand meiner Symptome seine Gründe, warum er an meiner Stelle Glatirameracetat spritzen würde. Das hat mich Medikamentenkritiker so überzeugt, dass ich ihm die Hand schüttelte und sagte: "Danke, Sie haben mir wirklich weitergeholfen!" Und ab dem übernächsten Tag hab ich gespritzt - sechs Wochen nach dem zweiten Schub - und ich stehe immer noch dahinter, fast drei Monate später.

Das ist vielleicht der erste Schritt: auf die innere Stimme hören, allerdings niemals ohne sich gleichzeitig viele Informationen einzuholen, auch von verschiedenen Ärzten. Bis man jemanden hat, der einem liegt und dem man vertraut. Denn den Kopf in den Sand stecken ist so ungefähr das letzte, was bei MS hilft! 

20.11.11 21:36

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