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Multiple Sklerose - eine Herausforderung
 

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Die Diagnose MS verdauen

Die Diagnose MS hat leider die Eigenschaft, ziemlich unverdaulich zu sein und sowohl schwer im Magen als auch dunkel auf der Seele zu liegen. Die GUTE Nachricht ist aber: MS-Patienten, die trotzdem ihre Erkrankung akzeptieren und mit ihr leben lernen, können völlig neue Seiten an sich selbst entdecken und trotz der Einschränkungen neu genießen lernen. Die MS-Patienten, die ich bisher kennen gelernt habe, haben mich beeindruckt. Welche Kraft und welche Würde sie ausstrahlen. Wie fröhlich sie sein können - und wie sie gemeinsam lachen: über Missgeschicke im Alltag, über die kleinen Triumphe im Kampf gegen die Bürokratie und über die schräge Ignoranz der Umwelt gegenüber gehbehinderten Menschen.

Meist läuft blitzartig ein Film im Kopf ab, wenn die Ärzte die Diagnose überbringen. Ein Rollstuhl kommt darin eigentlich immer vor und dann durchforstet man seine Erinnerungen an Verwandte oder Bekannte mit MS. Daraus bastelt man seine erste Vorstellung der Krankheit zusammen. Hinzu kommen dann die Geschichten der geschockten Verwandten und Freunde, die die ganze Symptombreite der MS umfassen: von der gänzlich bewegungsunfähigen Tante vor vielen, vielen Jahren bis hin zu den phantastischen Erzählungen über Betroffene, die nach ihrem ersten Schub nie wieder etwas von ihrer Krankheit gehört haben!

In der Hoffnung, zur letzteren Gruppe zu gehören, kann die Strategie sein: Medikamente spritzen und weitermachen wie bisher, sobald sich die Symptome zurückgebildet haben. Manchmal funktioniert es. Glück gehabt! Doch diese Strategie "Augen zu und durch" ist in der Regel nicht die beste und bei vielen Patienten einfach nur ein Durchgangsphänomen, bis sie die Krankheit eines besseren belehrt. Dennoch können Jahre zwischen den ersten beiden Schüben vergehen und das Leben dazwischen ganz unbeeinträchtigt verlaufen.

Verallgemeinerungen helfen also nicht wirklich weiter. Ich war überzeugt davon, dass ich nur den ersten Schub richtig auskurieren und das wahnwitzige Tempo in meinem Leben sowie die zahlreichen Belastungen reduzieren muss, um die Botschaft der Krankheit verstanden zu haben. Und um dann nie wieder etwas von ihr zu hören.

Leider habe ich die Rechnung ohne die MS gemacht . Noch in der Anschlussheilbehandlung holte mich der zweite, deutlich schwerere Schub ein und raubte mir für mehrere Wochen meine Handlungsfreiheit. Ich kam also um eine tiefergehende Auseinandersetzung mit mir und der MS nicht herum.

19.11.11 07:38

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