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Multiple Sklerose - eine Herausforderung
 

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Berufliche Wiedereingliederung

Danke für deine Zuschrift, "me"! Hat mich sehr gefreut und ermutigt, weiterzumachen. Bitte habt Verständnis dafür, dass ich nicht direkt auf Fragen antworte, weil ich anonym bleiben möchte. Aber ich werde hier Fragen beantworten, wenn ich kann und wenn ich Zeit habe.

Im Moment befinde ich mich in der beruflichen Wiedereingliederung. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass mir einmal so etwas passieren würde... Ich, die ich immer mit Volldampf gearbeitet und vor allem immer GERNE gearbeitet habe.

Aber zu Beginn konnte ich mir ja noch nicht einmal vorstellen, auch nur eine Woche krank geschrieben zu sein. Aus einer Woche wurden 4 (richtig, vier!) Monate. Die Wiedereingliederung umfasst zwei Monate, mit 3 x 4 Stunden habe ich angefangen, 14 Tage lang, dann 3 x 5, dann 4 x 5 und zuletzt 4 x 6 Stunden, jeweils 14 Tage. Anschließend geht es wieder auf 4 x 8 1/2 Stunden. Auch diesen Wiedereingliederungsplan musste ich erst mit einer Freundin durchsprechen, die mir das langsame Tempo verordnet hat. Der Neurologe war einverstanden, mein Chef auch. Ich habe das Glück, den besten Chef zu haben - er kennt mein sonstiges Tempo und hat mir jetzt ganz viel Schonraum bereitgestellt. Ich bekomme keinen Druck, er mahnt mich zur Langsamkeit und hat sich ein Stufenprogramm überlegt, wie ich wieder an meine bisherigen Tätigkeiten herangeführt werde.

Mein erster Eindruck von dem Wiedereingliederungsplan war: Lächerlich. Was soll ich denn in vier Stunden arbeiten, das lohnt sich doch kaum. Im Nachhinein hat sich alles als goldrichtig erwiesen. Bei dem langsamen Tempo können sich nach und nach meine Konzentrations-und Aufmerksamkeitsstörungen zurückbilden. Ich kann lernen, Pausen einzulegen, denn die werde ich mit dieser Erkrankung jetzt immer brauchen, und sei es nur eine Viertelstunde zwischendurch. In den ersten Wochen hatte ich nach jedem dieser kurzen Arbeitstage Kopfweh. Das ist jetzt vorbei, aber müde bin ich nach 5 1/2 Stunden schon und lege mich zuhause immer anschließend hin.

In meinem Schlafzimmer hat meine Tochter einen Spruch an die Wand geklebt, aus bunten Illustriertenseiten ausgeschnitten: "Auch die Schnecke hat es in die Arche geschafft." Das habe ich meinem Chef geschrieben mit dem Hinweis, dass das jetzt mein neues Tempo sei. Seine Antwort darauf: "Sehen Sie, Kapitäne warten auch auf Schnecken."

12.11.11 19:21

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